E-Bus-Depotbrände: Brandschutz und Versicherung für Elektrobusflotten
von FSA24
2026-04-05
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Der Depotbrand der SSB Stuttgart 2021 zerstörte 25 Busse. Obwohl E-Busse kein höheres Brandrisiko haben, erfordert die Batterietechnik spezielle Löschkonzepte. Was die Flottenversicherung abdecken muss.
Der Fall SSB Stuttgart: 25 Busse in einer Nacht zerstört
Am 1. Oktober 2021 brach im Busdepot der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) im Stadtteil Gaisburg ein Feuer aus. Der Brand zerstörte 25 Busse vollständig, darunter mehrere eCitaro-Elektrobusse. Der Sachschaden wurde auf über 50 Millionen Euro geschätzt. Die Brandursache ging nach Ermittlungen der Polizei auf einen technischen Defekt an einem Elektrobus zurück.
Der Wiederaufbau des Depots gestaltete sich aufwändig. Die SSB entschied sich für eine modulare Hallenkonzeption mit integrierten Brandschutzabschnitten. Die Fertigstellung ist für 2026 geplant. Der Fall gilt seitdem als Referenz für die Diskussion um Brandschutz in Elektrobusdepots.
Brandrisiko bei E-Bussen: Was die Daten sagen
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der ADAC kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis: Elektrofahrzeuge haben statistisch kein höheres Brandrisiko als vergleichbare Verbrennerfahrzeuge. Die Anzahl der Brände pro 100.000 Fahrzeuge liegt auf einem vergleichbaren Niveau.
Allerdings unterscheidet sich ein Batteriebrand qualitativ erheblich:
- Batteriekapazität: Elektrobusse tragen Batterien mit 200 bis 500 kWh Kapazität – das Vielfache eines Elektro-PKW
- Thermisches Durchgehen: Bei einem Thermal Runaway kann sich der Brand selbst unterhalten und ist mit Wasser allein schwer zu löschen
- Wiederentzündung: Auch Stunden nach dem Löschen kann sich die Batterie erneut entzünden
- Toxische Gase: Bei einem Batteriebrand entstehen Flusssäure und andere giftige Gase
Brandschutzkonzepte für Depots
Die Lehren aus Stuttgart und anderen Vorfällen haben zu neuen Anforderungen an Depots geführt:
- Mindestabstand zwischen Fahrzeugen: Die VdS-Richtlinien empfehlen einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen ladenden E-Bussen, um eine Brandausbreitung zu verhindern
- Brandfrüherkennung: Thermokameras und Gasdetektoren im Ladebereich erkennen einen Thermal Runaway frühzeitig
- Löschkonzepte: Spezielle Löschanlagen mit Hochdrucknebel oder Löschcontainer, in die brennende Fahrzeuge geschoben werden können
- Brandabschnitte: Bauliche Trennung der Ladebereiche, damit ein Brand nicht auf die gesamte Flotte übergreift
Was die Flottenversicherung abdecken muss
Für Betreiber von Elektrobusflotten reicht eine Standard-Busversicherung oft nicht aus. Die Flottenpolice muss folgende Risiken explizit abdecken:
- Fahrzeugvollkasko: Einschließlich Batteriebrand und Folgeschäden durch Thermal Runaway
- Gebäudeversicherung: Depotgebäude und Ladeinfrastruktur gegen Feuer
- Betriebsunterbrechung: Die SSB musste monatelang Ersatzbusse anmieten – diese Kosten können existenzbedrohend sein
- Umwelthaftung: Kontamination durch Löschmittel und ausgetretene Batteriechemikalien
- Ertragsausfall: Kompensation für entgangene Beförderungserlöse
Auch bei der LKW-Versicherung stellen sich mit zunehmender Elektrifizierung ähnliche Fragen. Nutzen Sie unseren KFZ-Rechner, um Versicherungsoptionen für Ihre Flotte zu vergleichen.
Prävention ist günstiger als Regulierung
Die Versicherungswirtschaft honoriert nachweisbare Brandschutzmaßnahmen mit niedrigeren Prämien. Unternehmen, die in Brandfrüherkennung, bauliche Trennung und geeignete Löschkonzepte investieren, können Rabatte von 10 bis 25 Prozent auf die Feuerversicherung erzielen. Angesichts der hohen Werte in Elektrobusdepots – 50 E-Busse können einen Fahrzeugwert von über 30 Millionen Euro darstellen – ist professioneller Brandschutz keine Kür, sondern Pflicht.
Quellen: SSB Jahresbericht 2022/2023, GDV-Studie „Brandrisiko Elektrofahrzeuge" 2024, ADAC-Brandstatistik 2024, VdS-Richtlinie 3471 „Elektrofahrzeuge in geschlossenen Garagen", BASt-Forschungsbericht F 155
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